Wissenschaftliches Kolloquium und Exkursion
Vom   Mi.  24.02.2010
Wissenschaftliches Kolloquium und Exkursion



19. und 20. März 2010 in der Odenwaldhalle,
Erbacher Straße 33

in 64720 Michelstadt



In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Odenwaldkreis und der Stadt Michelstadt veranstaltet die Interessengemeinschaft Odenwald e.V. (IGO) ein zweitägiges Kolloquium mit anschließender Exkursion am 19. und 20. März 2010 in der Odenwaldhalle in Michelstadt.



Anmeldeschluss für die Veranstaltung ist der 12.03.2010.


Archäologen stoßen auf Reste eines Römerturms
Vom   Mi.  27.01.2010
Archäologen und Geophysiker haben in der Gemarkung des Michelstädter Stadtteils Vielbrunn bisher unbekannte Reste eines römischen Wachturms und eines wohl dazu gehörigen Hohlwegs gefunden. Dies hat die Untere Denkmalbehörde beim Erbacher Landratsamt nun publik gemacht. Wie berichtet, koordiniert diese Fachstelle das laufende Projekt zur Neuerforschung, besseren Darstellung und touristischen Nutzung des Odenwaldlimes.




Die Entdeckung der Baurelikte resultiert dabei aus der mit diesem Vorhaben verbundenen Untersuchung von einzelnen Arealen, durch die der historische Grenzwall führte. Zwar ist der jetzige Fundort in der Limeskartierung als Römische Turmstelle WP 10=16 verzeichnet. Allerdings bezeichnet die Fachliteratur diesen Teil der Grenzbefestigungsanlage bisher als ,,gänzlich verschwunden".



Insofern lässt es sich nachvollziehen, wenn der Leiter der Unteren Denkmalbehörde und Projektbeauftragte Reimund Bechtold den Nachweis von Überbleibseln im Boden als ,,kleine archäologische Sensation" bezeichnet. Zutage gefördert haben sie Fachleute des Büros Posselt und Zickgraf (Mühltal), das im Auftrag der Programmbeteiligten - neben dem Kreis wirken das Land, einzelne Kommunen und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit - in diesem Monat unweit von Vielbrunn eine geophysikalische Untersuchung anstellte. Diese so genannte Prospektion ist eine auf neuer Technik basierende Methode, den Boden zu sondieren, ohne Erde zu bewegen. Damit erlaubt sie es, an Bodendenkmalen wie dem Limes Forschungen zu betreiben, ohne dabei zerstörerisch zu wirken.



Gewonnen werden zuverlässige Messbilder, die in jüngerer Vergangenheit europaweit schon viele bisher nicht bekannte archäologische Funde sichtbar werden ließen . In Vielbrunn trafen sich zur entsprechenden Sondierung des Untergrunds Martin Posselt und seine Mitarbeiter Anna-Marie Nikolov sowie Sebastian Pfnorr mit Grabungsleiter Frank Klausmann und dem Limesbeauftragten der Stadt Michelstadt, Walter Weidmann (Würzberg). Nach dem Abstecken des zu untersuchenden Areals begannen die Fachleute mit der geophysikalischen Prospektion. Noch vor Ort erfolgte die Auswertung per Computer. Wie die Pressestelle der Kreisverwaltung berichtet, zeigte sich dabei auf dem Bildschirm klar der Umriss eines Römischen Holzturms. Auch der ehemalige Hohlweg, der in alten Forschungsberichten erwähnt wird, konnte auf diese Weise lokalisiert werden.



Limeskenner wie die beiden Odenwälder Projektbeteiligten Bechtold und Weidmann sehen in dem Fund einen weiteren Meilenstein in die Erforschung des Odenwaldlimes und damit auch im Bemühen um mehr Anerkennung und Popularität für dieses regionale Geschichtsgut. Neue Nahrung findet damit die Hoffnung, dass auch der Odenwaldlimes als westlicher der beiden römischen Grenzwälle in Deutschland noch Aufnahme in das Weltkulturerbe findet. Die begehrte entsprechende Unesco-Anerkennung gilt bisher nur dem östlichen Zeugnis der Antike.



Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang der genaue Fundort. Denn der liegt nahe der Kreuzung der beiden Landesstraßen Kimbach-Weilbach und Eulbach-Breitenbrunn sowie des Segelflugplatzes, in deren Einzugsgebiet ein neuer Anlaufpunkt für den gesamten Grenzwall entstehen soll: Genau dort wollen die Limesförderer als Attraktion für Besucher einen römischen Holzwachturm rekonstruieren, der dann zugleich als Informationsstelle und Kleinmuseum genutzt werden könnte.



Schmuckkästchen in neuem Glanz
Vom   Mi.  27.01.2010
Ein Schmuckkästchen, das sich wahrlich sehen lassen kann, ist nun auch von höchster Stelle geadelt worden: Für die vorbildliche Fassadenrenovierung des denkmalgeschützten Gasthauses ,,Zum Bären" in der Erbacher Altstadt (Im Städtel) gab es jetzt Lob von Landrat Dietrich Kübler, dem Leiters der Denkmalschutz-Behörde, Reimund Bechthold, und dem Erbacher Bürgermeisters Harald Buschmann.



Der Odenwaldkreis hat diese Privatinitiative außerdem mit einer Anerkennungsurkunde und einem Anerkennungsbetrag honoriert. Landrat Kübler überreichte das Dokument an die Besitzer, das Ehepaar Gerlinde und Peter Walther, das eigens für den Termin aus dem westfälischen Soest angereist war.




Als gebürtige Odenwälder haben sie ihre Wurzeln nicht vergessen und sind an der Erhaltung des Hauses interessiert geblieben. ,,Die fachgerechte Sanierung leistet eine Beitrag zur Erhaltung der historischen Altstadt von Erbach", betonte Kübler beim Ortstermin. Erbachs Bürgermeister Harald Buschmann dankte den Eigentümern für ihr Engagement an dem ,,alteingesessenen Gasthaus im innersten Kern" von Erbach. Buschmann führte persönliche Erinnerungen an, die er mit dem Gebäude verbindet.



Reimund Bechtold von der Denkmalschutzbehörde des Kreises erläuterte die denkmalschutzrechtlichen Aspekte der Renovierung. Die Auflagen, dass aufgrund der besonderen Eigenart des Kulturdenkmales die Sanierungsarbeiten nur von denkmalfachlich geeigneten Firmen ausgeführt werden durften und die Farbgebung mit der Behörde abgestimmt werden musste, wurden eingehalten.



Die Farbgebung erfolgte nach Auswahl mehrerer Muster und anhand wissenschaftlicher Aussagen über die Farbgebung aus der Zeit um 1540. ,,Man sieht, dass Sie Ihr Erbe verantwortungsvoll übernommen haben. Insgesamt ist die Arbeit als vorbildlich zu bezeichnen", bekräftigte Bechtold, an die Eigentümer gewandt.



Beendet wurde die Fassadengestaltung bereits im vergangenen Jahr, die fachmännische Betreuung hatte Diplom-Ingenieurin Barbara Kohlhage-Petzold übernommen.



Die Grundfarbe der Gefache wurde in abgetöntem Weiß, die Eichenbalken des Fachwerks wurden in Ochsenblutrot, und die Sockel sowie die Fensterumbretterung in Grau aus der historisch belegten Farbpalette angelegt. Die Malerarbeiten an den Gefachen orientieren sich an der im 16. Jahrhundert verwendeten plastischen Gliederung durch Kassetierung, dafür wurden ein schwarzer Konturstrich und eine graue Begleitlinie gewählt.



Nun soll das traditionsreiche Gasthaus wieder mit Leben gefüllt werden, die Besitzer suchen für das Gasthaus einen neuen Pächter. Bei dem Gebäude handelt es sich um ein spätmittelalterliches Burgmannenhaus, das um 1550 erbaut wurde. Es ist eines der ältesten Patrizierhäuser und Gasthäuser des Odenwaldkreises und aus diesem Grund von besonderem geschichtlichen Wert.



Das Haus steht als Einzeldenkmal unter besonders striktem Schutz, nicht nur Farbe und Gestaltung sondern auch die Freigabe der am Objekt zugelassenen Handwerker erfolgt durch die zuständige Denkmalschutzbehörde.



Und auch seine Geschichte ist bemerkenswert: Zeitweise war es Haus eines Weißgerbers und vermutlich bereits im 17. Jahrhundert einmal ein Gasthaus. Überliefert ist der Name ,,Zum Engel", seit 1886 ist es in Familienbesitz und als Gasthaus ,,Zum Bären" bekannt. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde im Haus eine Metzgerei eröffnet, das Geschäft wurde damals als ,,Metzgerei und Gastwirtschaft" betrieben.



Westlich befindet sich ein neuerer, etwas niedrigerer Anbau, dessen Dach einen Balkon bildet, die Hauswand darüber ist verschindelt. In diesem Anbau befand sich das Schlachthaus, auf dem Balkon wurde zeitweise zusätzlich die kleine Wirtschaft ,,Zum Starenkasten" betrieben. Die Metzgerei schloss 1957 ihren Direktverkauf, und der Verkaufsraum wurde zum Gastraum umgebaut. Der einstmalige Eingang zu diesem Verkaufsraum befand sich auf der Ostseite, heute ist dies noch an dem zweiten Türgewände erkennbar, in welches ein Fenster eingebaut ist.



Bis 1974 wurde die Gaststätte weiter als Metzgerei und Gastwirtschaft betrieben, es wurde jedoch nur noch für den Hausbedarf geschlachtet. Das ehemalige Schlachthaus dient heute als Vorbereitungsküche, und die kleine Wirtschaft ,,Zum Starenkasten" lebt nur noch im Gedächtnis fort. Weitere Informationen zu dem sanierten Gebäude gibt es unter www.zum-baeren.eu.


Urenkel lässt Traditionshaus aufleben
Vom   Mi.  27.01.2010
Eine wechselvolle Geschichte hat das Hotel ,,Zum Schwanen' in Beerfelden, das zuletzt längere Zeit leer stand, und nun renoviert wird. Schon ein Jahr nach dem großen Beerfelder Brand 1810 entstand die Stadt auf dem Berg erneut, nur diesmal waren die Straßen breiter, die Gebäude standen nicht mehr so dicht gedrängt. Auch das Haus des Schmieds Paulus am Metzkeil, bei dem Napoleons Truppen noch die Pferde beschlagen ließen, wurde wieder aufgebaut. Doch es blieb nicht lange eine Schmiede, Peter Fuhr erwarb das Anwesen und gestaltete es mit seiner Frau Katharina in eine Bäckerei und Gastwirtschaft um.



Fuhr starb, und seine Witwe heiratete 1852 Adam Sattler, der von nun an beides übernahm. Auch Landwirtschaft gehörte zum Erbe, Stallungen für Pferde, Kühe, Schweine und ein großer Hof mit einem Ziehbrunnen. Katharina brachte zwölf Kinder zur Welt, wovon aber nur sechs überlebten. Heinrich, der Älteste übernahm 1891 die Gastwirtschaft und Bäckerei, im gleichen Jahr wurde sein Sohn August geboren.



Mit der Übernahme Heinrichs begann eine rege Bautätigkeit, das Vorderhaus wurde aufgestockt, der Balkon davor gesetzt, das Flachdach zum Wäschetrocknen gebaut. Auch Fremdenzimmer gab es jetzt, jedes bekam einen Holzofen. 1903 wurde die Konzession für die Konditorei angemeldet, Sohn August erlernte in Mannheim das Konditorhandwerk und schloss es 1922 mit der Meisterprüfung ab. Das Gasthaus erhielt den Titel ,,Hotel zum Schwanen.'



1928 übernahm August das Anwesen. Der landwirtschaftliche Teil wurde überbaut, es gab mehr Fremdenzimmer, Etagenbäder wurden eingerichtet, die Zentralheizung übernahm ab jetzt die Wärmeversorgung, und im Parterre entstand ein großer Kaffeeraum. August Sattler führte den Schwanen bis 1964.



Ihm folgte sein Sohn Konditormeister Otto-Heinrich Sattler, der mit Ehefrau Ilse, einer gelernten Serviermeisterin, von nun an die Geschicke des Hauses lenkte. In den Achtziger Jahren erfuhr das Hotel noch einmal einen Aufschwung, Sattler brachte die Küche auf den neuesten Stand, baute den Konditoreiladen umt, die modernisierte die Fremdenzimmer.

Otto-Heinrich und Ilse führten das Hotel bis Dezember 2000, aus persönlichen Gründen entschlossen sie sich, nach einem schweren Schicksalsschlag, zum Verkauf. So erwarb 2003 Familie Kalt den ,,Schwanen' und führte ihn bis 2008, seit dieser Zeit stand er leer. Das lange Leerstehen hat dem Gebäude nicht gut getan, es war allen Wetterunbilden ausgesetzt, der Frost ließ die Rohre zufrieren, es kam zu Wasserrohrbrüchen und damit zu Überschwemmungen und anderen unliebsamen Zerstörungen.




Eine glückliche Wende nahm alles, als das Objekt zur Versteigerung ausgeschrieben wurde und der Urenkel Heinrich Sattlers - Florian Keysser und sein Freund Volker Daum den Zuschlag bekamen. Es handelt sich bei diesem Haus um das Elternhaus von Keyssers Großmutter Mathilde, (Schwester von August Sattler). Schon in seinen Kinderjahren hat sie die Liebe zu diesem Gebäude in ihm geweckt, er wollte verhindern, dass es völlig verkommt oder abgerissen werden muss.

Seit zwei Monaten sind die positiven äußeren Veränderungen am ,,Schwanen' zu erkennen. Das mit Holzschindeln verkleidete Vorderhaus erhielt einen orange-farbenen Anstrich, er harmoniert mit den Farben der um den Metzkeil gruppierten Häuser. Das Denkmalamt schreibt in solchen Fällen die Farben vor, beteiligte sich aber auch finanziell etwas bei der Außenfassade. Der 1928 angebaute Trakt in der Gammelsbacher Straße ist farblich anders gehalten, dieser Teil des Hauses ist verputzt. Im Inneren geht es zunächst um die Erhaltung der Bausubstanz und Instandhaltung. Aussage: ,,So lange das Geld reicht, wird renoviert.'



Feierlich übergab Landrat Dietrich Kübler nun im ehemaligen Kaffeeraum des Hotel 'Schwanen' im Beisein des Leiters der Denkmalschutz-Behörde Reimund Bechthold, des Stadtverordneten Günter Hufer, des früheren Hotelier-Ehepaar's Ilse und Otto-Heinrich Sattler, Reimund Keysser und den beiden Jungunternehmern Volker Daum und Florian Keysser nebst Ehefrau und Lebensgefährtin eine Urkunde. Die belegt, dass die Denkmalschutzauflagen eingehalten wurden und dies zu einer finanziellen Unterstützung berechtigt. Kübler gab seiner Freude Ausdruck, dass Daum und Keysser den Mut gehabt und die Initiative ergriffen hätten, den ,,Schwanen' wieder zum Leben zu erwecken. ,,Das Haus hat Tradition, neue Perspektiven eröffnen sich, dass Beerfelden wieder etwas Stadtbelebung erhält. Hoffentlich stellt sich auch der wirtschaftliche Erfolg ein.'



Bechthold erläuterte die Bedeutung des Objekts als Einzeldenkmal, er lobte die hervorragende Zusammenarbeit mit den Bauherren: ,,Alle Auflagen wurden schnellstens erfüllt, und so konnte innerhalb von 14 Tagen die Genehmigung zur Renovierung erteilt werden.' Auch Hufer sprach Lob aus im Namen des Magistrats: ,,Die Stadt steht im Rahmen der Möglichkeiten hinter Ihnen.' Volker Daum dankte der Denkmalschutzbehörde und Florian Keysser der Firma E.M.K. G. Krämer, die bei der Ideenumsetzung der Fassadengestaltung hilfreich zur Seite gestanden hätten.



Es wird kein Luxushotel entstehen aber ein solides Landhotel, in dem sich Beerfelder wieder zum gemütlichen Beisammensein treffen können. Auch Urlauber sollen hier wieder eine Übernachtungsmöglichkeit bekommen.



Zunächst werden fünf Gästezimmer fertig gestellt, weitere können dann im Abstand folgen, je nach Nachfrage. Der Eröffnungstermin ist noch offen, denn es stellen sich immer wieder Folgeschäden des Leerstands ein. Nun fehlt den Jungunternehmern nur noch ein passendes Pächterpaar, das mit Können, Freude, Schaffensdrang und Phantasie den ,,Schwanen' wieder zu dem werden lässt, was er über Jahrzehnte war, ein weit über die Landesgrenzen hinaus bekanntes und beliebtes kleines, aber feines Hotel.


Eine große Schau für den Odenwaldlimes
Vom   Mi.  27.01.2010
Ihre wiedererwachte Aufmerksamkeit für den Odenwaldlimes wollen Politik, Archäologie, Geschichtskunde und Heimatforschung zunehmend auf die Bevölkerung übertragen. Schaffen wollen sie damit ein Bewusstsein für die historische Bedeutung der Relikte des römischen Grenzwalls, aber auch für deren direkten Anschauungs- und Erlebniswert. In diesem Sinne ergänzen Land, Kreis und Anrainer-Kommunen die laufenden Arbeiten zur Herrichtung und Präsentation der antiken Zeugnisse in diesem Jahr um eine groß angelegte öffentliche Vorstellung dieses Kulturguts.




Wie die Odenwald-Regionalgesellschaft (Oreg) als Trägerin des entsprechenden Projekts nun publik gemacht hat, ist das dafür gedachte Kolloquium gesichert. Mit der Odenwaldhalle in Michelstadt als zentralem Anlaufpunkt wird es am 19. und 20. März (Freitag und Samstag) bis zu ein Dutzend hochrangige Kenner der römisch-germanischen Geschichte und der alten Grenze zusammenführen. ,,Dabei sollen die Fachleute keineswegs unter sich bleiben", fügte Organisator Thomas Disser auf Nachfrage hinzu. Vielmehr wende sich ihre geballte Präsenz gerade an die Allgemeinheit und hier insbesondere an die Odenwälder Bürger.



Vor allem die öffentlichen Stellen sowie die Dachorganisationen von Gastronomie und Beherbergungsbranche bewegt dabei das touristische Potenzial der römischen Zeugnisse. Und wie sie wissen, setzt dessen Erschließung die Begeisterung der Einwohner im Nahbereich voraus: ,,Wenn die Menschen hier den Limes schätzen, sich mit ihm identifizieren und ihn als Ausflugsziel annehmen, dann bringt uns das schon ein bedeutendes Stück weiter", sagt Disser, der nichtsdestotrotz auch auf Zuspruch von außerhalb, namentlich auf Medienaufmerksamkeit, hofft.



Am Vortrags- und Präsentationsprogramm rund um den Limes sollen rund 200 Gäste teilhaben können; ein noch zu eröffnendes Anmeldesystem soll regeln, wer dabei sein kann. Die Obergrenze erklärt sich zwar auch aus dem Streben nach Konzentration bei den Ausführungen in der Odenwaldhalle; geschuldet ist sie aber vor allem dem praktischen Teil, der in einer eintägigen Exkursion zu verschiedenen attraktiven Limes-Teilabschnitten besteht. Dazu befördert die Oreg die Teilnehmer mit Bussen auf den Höhenzug zwischen Mümling, Main und Mud, um sie dort unter fachkundiger Führung mit den Fundstellen und deren Aufbereitung vertraut zu machen.



Wie umfassend dargestellt, steckt die öffentliche Hand in einem aktuellen Programm etwa eine Million Euro in Restaurierung, erweiterte Erforschung und kulturtouristische Erschließung des Odenwaldlimes. Zumindest teilweise ausgleichen wollen Land, Kreis und Kommunen damit den Ansehens-Nachteil, der diesem archäologischen Gut durch eine Entscheidung der Unesco entstanden ist. Die nämlich hat 2005 allein die östliche der beiden römisch-germanischen Grenzlinien als Weltkulturerbe anerkannt und so zur Berühmtheit geführt. Entgegen halten wollen dem die Anrainer der westlichen Variante nun die besondere Unberührtheit und Anschaulichkeit ihrer Relikte, die sich aus dem weitgehenden Verlauf in Wald- und Wiesengebieten jenseits neueren Siedlungsraums ergibt.



Die einzelnen Kleinode der Grenzlinie sollen dabei im Kolloquium ebenso zum ihrem Recht kommen wie die Gesamtanlage und deren historische Funktion - jeweils gewährleistet durch Vertreter der entsprechenden historischen und baukundlichen Fachrichtungen. Wesentlichen Raum werden zudem die Methoden der Erforschung und Restaurierung einnehmen, die eine ebenso schonende und geschichtstreue wie plastische Herausarbeitung des antiken Flächendenkmals ermöglichen sollen. ,,Dabei wird unsere Vorträge-Kombination weit über den Tag hinaus wirken", ist sich Koordinator Disser sicher. Diese Gewissheit bezieht er dabei vor allem aus einer Veröffentlichung, die in Zusammenhang mit der Veranstaltung verwirklicht werden soll.




,,Hessens Landesarchäologe Egon Schallmayer, den man getrost als Limes-Papst bezeichnen darf, hat die Neubearbeitung seines Standardwerks über den Odenwaldlimes abgeschlossen", verrät der Oreg-Mitarbeiter. ,,Wir werden dieses bemerkenswerte Buch während des Kolloquiums vorstellen." Wie Disser betont, ist die klassische Ausgabe mit dieser Neuauflage nicht mehr vergleichbar: Der nun geschaffene Band warte über eine Aktualisierung der Erkenntnisse hinaus vor allem mit einer modernen Präsentation auf.



Mit Spannung erwarten Veranstalter und potenzielle Gäste aber nicht nur diese Arbeit, sondern auch die weitere Konkretisierung eines einzigartigen Vorhabens: Siegbert Huther, Architekt der deutsche Limeskommission, wird die geplante Rekonstruktion eines römischen Holzwachturms mit musealer Ausstattung auf der Höhe bei Vielbrunn erläutern. ,,So wird der Odenwaldlimes für die kulturelle und touristische Entwicklung des Odenwalds immer wichtiger", fasst Thomas Disser die in die Veranstaltung einfließende Tendenz zusammen.




In der Odenwaldhalle und auf der HöheMichelstadt. Zur Präsentation rund um den Odenwaldlimes lädt die Oreg im Namen von EU, Land Hessen, Odenwaldkreis und Stadt Michelstadt für den 19. und 20. März ein.



Der Veranstaltungs-Freitag ist für den Vortragsteil in der Michelstädter Odenwaldhalle gedacht, der um 10 Uhr beginnt. Der Erkundung vor Ort ist dann der Samstag gewidmet; zur Anfahrt mit dem Bus treffen sich Teilnehmer und Wissenschaftler um 8.30 Uhr wiederum an der Odenwaldhalle. Sobald Anmeldungen möglich sind, will die Oreg die Bedingungen dafür veröffentlichen. Einher gehen soll das mit einer Internetpräsenz: www.region-odenwald.de.




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