Neue Fakten über den Limesverlauf
Vom   Mi.  12.05.2010
Keine zweitausend Jahre ist es her, dass mitten durch Deutschland eine Grenze verlief, die das römische Reich von den östlich davon lebenden Germanen trennte: der obergermanisch-raetische Limes. Vom Streckenverlauf der Verteidigungslinie weicht auf rund 80 Kilometer ein älterer Grenzwall ab, der von Obernburg am Main bis Bad Wimpfen am Neckar den Odenwald durchtrennte. Über Jahrhunderte interessierte sich kaum jemand für die Spuren, die die Truppen von Kaiser Trajan in den Jahren nach 110 nach Christus hier hinterlassen haben. Erst mit den systematischen Ausgrabungen und Forschungen durch Graf Franz I. zu Erbach-Erbach (1754 - 1823) setzte Ende des 18. Jahrhunderts ein Geschichtsbewusstsein ein, das vor etwa hundert Jahren durch die Reichs-Limeskommission komplettiert und dokumentiert wurde.



Auch mit der Entdeckung der Villa Haselburg bei Hummetroth im Jahr 1979 oder der erst vor wenigen Monaten lokalisierten Turmstelle WP 10/16 bei Vielbrunn dürften längst nicht alle Hinterlassenschaften vollständig erfasst sein, stimmten am Wochenende über 400 Forscher und Interessierte überein. Dank neuer Techniken lassen sich aber Fundstätten präziser und detaillierter lokalisieren und zerstörungsfrei erkunden, wusste der Landesarchäologe zu berichten. Im Fachjargon heißt die Methode Airborn Laserscanning, was sich in luftgestütztes Lasererfassen übersetzen lässt. ,,Mittels Laserscanaufnahmen konnte auch der genaue Verlauf des Limes auf längeren Strecken in der umgebenden Kulturlandschaft zwischen mittelalterlichen und neuzeitlichen Denkmälern nachgewiesen werden", ergänzte Eveline Grönke, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Landesamt für Denkmalpflege. So werfe der geradlinige Verlauf der Strecke südlich von Schlossau (bei Mudau) die Frage auf, ob eine logistische oder strategische Veränderung in der Heeresführung dafür verantwortlich sei, stellte der Vorsitzende der Deutschen Limeskommission, Sebastian Sommer, vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, in den Raum. Seiner Ansicht nach ist das Bauwerk erst um das Jahr 164 nach Christus entstanden; Professor und Limes-Spezialist Egon Schallmeyer datiert den Odenwaldlimes auf das Jahr 155 - bislang wurde der Grenzwall mit der Jahreszahl 110 in Verbindung gebracht.


Auch für den IGO-Vorsitzenden Horst Schnur sind mit dem derzeitigen Forschungsstand längst nicht alle Fragen beantwortet. Im Gegenteil: ,,Noch nie hat es eine derart große Veranstaltung zu einem historischen Thema im Odenwald gegeben." Der Odenwaldlimes mit seinen elf Kastellen und über 80 Wachtposten, der für etwa fünfzig Jahre die äußere Grenze des Römischen Reiches bildete, werde die Fachwelt und die Öffentlichkeit noch viele Jahre beschäftigen. Und mit jeder neuen Entdeckung nähere man sich dem Ziel, dass auch die ältere Limeslinie als Unesco-Weltkulturerbe eingetragen werde.



Eingeladen zum ersten wissenschaftlichen Kolloquium in der Odenwaldhalle über den Odenwaldlimes hatte die Interessengemeinschaft Odenwald (IGO) gemeinsam mit der Hessischen Landesarchäologie. Dem Höhepunkt, der Vorstellung der Neuauflage des Buchs ,,Der Odenwaldlimes" von Egon Schallmeyer, voraus gingen etwa ein Dutzend Fachvorträge von namhaften Kennern der Limesforschungen sowie eine Exkursion zu herausragenden Fundstellen.



Mit vereinten Kräften und finanzieller Beteiligung haben in den vergangenen Jahren das Landesamt für Denkmalpflege, für das Eveline Grönke anwesend war, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die angrenzenden Landkreise und viele Kommunen und Vereine ihre Anstrengungen vertieft und die Ergebnisse zusammengetragen. Hinzu kommen Fördermittel aus der Europäischen Union. Schallmeyers Veröffentlichung unterscheidet sich daher an vielen Stellen von der ersten Dokumentation von vor 25 Jahren.


Neueste Forschungsergebnisse am Odenwaldlimes
Vom   Mi.  12.05.2010
Vom 19. bis 20. März fanden
in Michelstadt im Odenwald ein wissenschaftliches
Kolloquium und eine Exkursion
zu den neuesten Forschungsergebnissen
des Hinteren Odenwaldlimes statt.
Veranstaltet wurde das Kolloquium, das
mit ca. 400 Teilnehmern eine überwältigende
Resonanz fand, von der Interessengemeinschaft
Odenwald e. V. (IGO) und der
Hessischen Landesarchäologie.
In seiner Begrüßung dankte der IGO-Vorsitzende
und Landrat a. D. Horst Schnur
der hessenARCHÄOLOGIE und den Organisatoren
der IGO für die großartige Zusammenarbeit
bei den umfangreichen
Vorbereitungen der beiden Tage. Regionalentwicklung
sei das zentrale Element der
IGO und die in Michelstadt stattfindende
wissenschaftliche Tagung eine fundamentale
Veranstaltung für die Regionalentwicklung.
Schnur erläuterte die seitens der
IGO bislang unterstützten Maßnahmen am
Odenwaldlimes wie z. B. die Beschilderung
mit Informationstafeln, deren Ständer von
Jugendlichen des Keilvelterhofes erstellt
wurden. Hier verbinde sich kulturelle mit
praktischer Sozialarbeit. Als eines der besonderen
Projekte im Zusammenhang mit
der weiteren Erschließung des Bodendenkmals
hob Schnur den geplanten Limesradweg
entlang der gesamten Strecke hervor,
dessen Kosten auf ca. zwei Millionen Euro
veranschlagt werden.
In ihrem Grußwort dankte die Hessische
Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva
Kühne-Hörmann zunächst allen Beteili-
Neueste Forschungsergebnisse am Odenwaldlimes
gten, die sich mit großem Engagement seit
Jahren für die Belange des Odenwaldlimes
einsetzen.
Besonders erfreut zeigte sich die Ministerin
über die Anwesenheit der 12. Klasse
Leistungskurs Geschichte des Michelstädter
Gymnasiums, die mit ihrem Lehrer Karl-
Heinz Newiadomsky an der Tagung teilnahm.
Prof. Schallmayer sorge mit seiner
Arbeit dafür, dass die hessenARCHÄOLOGIE
als außerschulischer Lernort fest verankert
sei. So werde auf besondere Weise das Interesse
der jungen Menschen an der Landesgeschichte
geweckt, und vielleicht werde
damit auch der Grundstein für künftigen
Archäologennachwuchs gelegt.
Es sei bereits viel Geld in die Erhaltung, Erforschung
und Vermittlung des Odenwaldlimes
geflossen, so Kühne-Hörmann. Dies
sei in enger Kooperation der Landkreise,
Kommunen und der Archäologischen
Denkmalpflege sowie Institutionen wie die
Deutsche Stiftung Denkmalschutz, zahlreicher
Vereine und ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter geschehen.
Besonders hervorzuheben sei, dass sich
hier alle zusammengeschlossen hätten und
dies länderübergreifend zwischen Bayern,
Hessen und Baden-Württemberg. Nach
Ansicht der Ministerin ist es wünschenswert
wenn auch der Odenwaldlimes wie der
Obergermanisch-Raetische Limes Welterbestätte
werden würde, vorausgesetzt die
Anrainerkommunen und die Landkreise
befürworten dieses Vorhaben.
Grüße für den Odenwaldkreis und dessen
Landrat Dietrich Kübler überbrachte der
Erste Kreisbeigeordnete Detlev Blitz. Sein
Dank galt den Mitarbeitern der IGO und
Landrat a. D. Horst Schnur für ihre von viel
persönlichem Interesse geprägter Initiative,
eine solche Tagung in Michelstadt zu
etablieren.
Bürgermeister Stephan Kelbert hieß die
Teilnehmer in seiner Stadt herzlich willkommen
und hob die Bedeutung des Kolloquiums
für Michelstadt hervor, denn
Dimension des Odenwaldlimes erfahre man
erst durch eine solche Veranstaltung, die
nicht nur die Region touristisch nach außen
aufwerte, sondern auch zum Selbstbewusstsein
einer Kommune nach innen
beitrage.
Der Hessische Landesarchäologe Prof. Dr.
Egon Schallmayer bedankte sich zunächst
bei den Referenten des Tages für ihre Bereitschaft
an diesem Tag ihre neuesten
wissenschaftlichen Forschungsergebnisse
zum Odenwaldlimes vorzustellen. Ein
weiterer Dank galt der IGO für die überaus
kollegial-freundschaftliche Zusammenarbeit
bei den Vorbereitungen der
Tagung und Exkursion.
In seiner Einführung zu den Vorträgen des
Tages verwies Dr. Sebastian Sommer, Vorsitzender
der Deutschen Limeskommission
und Landesarchäologe von Bayern, auf die
Schlüsselstellung des Odenwaldlimes für
die Limesforschung in Deutschland und die
Besonderheit des Bodendenkmals, das an
diesem Tag Referenten und Bürgermeister
aus drei Bundesländern sowie Teilnehmer
aus ganz Deutschland zusammengebracht
habe, um sich über seine Erforschung,
Pflege, Erschließung auszutauschen und
darüber, wie die verschiedenen Schritte
finanziert werden können. Die anschließenden
acht Vorträge verdeutlichten die
beachtliche Bandbreite der aktuellen Beschäftigung
mit der antiken Grenze, die
für ein knappes halbes Jahrhundert die
Außengrenze des römischen Reiches war.
In seinem Resümee der Vorträge betonte
Prof. Dr. Dieter Planck, der ehemalige Vorsitzende
der Deutschen Limeskommission
und Präsident des Landesdenkmalamtes
Baden-Württemberg a. D., dass die Beiträge
die besondere Stellung des Odenwaldlimes
sowie dessen singuläre Befunde und
Bauten für die Limesforschung verdeutlicht
hätten. Der Tag habe gezeigt, dass
der Odenwaldlimes dem Obergermanisch-
Raetischen Limes keinesfalls nachgeordnet
sei. Für die weitere Vorgehensweise sei
nun die Fertigstellung des Odenwaldlimesentwicklungsplanes
notwendig sowie für
die Vermittlung ein zentrales Odenwaldlimesmuseum
mit einer überschaubaren
musealen Präsentation von Funden wünschenswert.
Im Anschluss an die Vorträge erfolgte
durch den Geschäftsführer des Theiss Verlages
Volker Hühn die Buchvorstellung
des zu diesem Termin erschienenen neu
verfassten Grundlagenwerkes „Der Odenwaldlimes
– Entlang der römischen Grenze
zwischen Main und Neckar“ des Hessischen
Landesarchäologen Prof. Schallmayer.
In seinem Festvortrag „Geschichte und
neue Forschungen an einem romanischen
Bodendenkmal – Der Odenwaldlimes“
nahm Prof. Schallmayer die Zuhörer dann
mit auf eine Reise durch die spannende
Forschungsgeschichte entlang des antiken
Bodendenkmals. Bereits seine Eingangskollage
- die Statuengruppe am Wachtposten
10/37 im Schnee und darunter ein
Schmetterling am Wegesrand - zeigte,
dass ein Besuch der römischen Relikte am
Odenwaldlimes zu allen Jahreszeiten von
romanischen Impressionen begleitet ist.
Mit 200 Teilnehmern ging es am nächsten
Tag auf Exkursion zu ausgewählten Denkmälern
am Odenwaldlimes. Jeweils zwei
Busse fuhren zunächst nach Norden und
nach Süden, um sich dann zur Mittagspause
im Kastell Würzberg wieder zu treffen
und anschließend in entgegengesetzter
Richtung weiterzufahren. Unter der Leitung
des Bezirksarchäologen Dr. Holger
Göldner, des Limesbeauftragten für den
Odenwaldkreis Reimund Bechtold und des
Architekten Siegbert Huther wurden im
Norden das Numeruskastell Lützelbach,
der Wachtposten 10/8 „Im Lützelbacher
Bannholz“ und der Standort des künftig
rekonstruierten hölzernen Wachtturms am
Wachtposten 10/15 aufgesucht.
Die Südroute führte mit den Referenten
Prof. Schallmayer und dem Limesbeauftragten
von Baden-Württemberg Dr. Stephan
Bender zu den Wachtposten 10/37
„In der Schneidershecke“ und 10/30
„In den Vogelbaumhecken“ sowie zum
Numeruskastell Hesselbach.
Im Anschluss an das Mittagessen das die
Sängervereinigung Würzberg organisiert
hatte, stellte Walter Weidmann, ehrenamtlicher
Mitarbeiter, die von ihm betreuten
letzen Sanierungsmaßnahmen des Kastellbades
Würzberg vor. Auf dem Rückweg zu
den Bussen hatten die Mitarbeiter der IGO
noch eine liebevolle Überraschung vorbereitet
– ein grünes IGO-Ei, das sie mit herzlichen
Ostergrüßen jedem Exkursionsteilnehmer
überreichten.
Trotz einiger Regenschauer absolvierten
die Teilnehmer gelassen und geländegängig
auch die Exkursionsziele des Nachmittags,
und tatsächlich ließen einige bei
einem „Glas guten Neckarweins vor der
Heimreise“, wie es E. Schallmayer nach
einem Ausflug zum Odenwaldlimes in seinem
neuen Buch empfiehlt, die Tagung
noch einmal Revue passieren.
Die Vorträge des Kolloquiums werden in
der Reihe Saalburg-Schriften vom Römerkastell
Saalburg publiziert. Quelle: Odenwaldregional 07 2010



Vorzeigeobjekt nach zehn Jahren
Vom   Mi.  12.05.2010
Die Gottesackerkapelle auf dem Friedhof oberhalb des Erbacher Stadtteils Lauerbach ist wieder in einem ansehnlichen Zustand und zählt nun offiziell zu den Sehenswürdigkeiten der Museumsstraße Odenwald-Bergstraße. Darauf weist jetzt eine Tafel an ihrer Eingangsfront hin.



Angestoßen vom ,,Historischen Verein für die Kreisstadt und ehemalige Grafschaft Erbach" hatte es rund zehn Jahre gedauert, bis das Projekt - an einem Dorfabend vom damaligen Ortsvorsteher Reinhold Weyrauch angeregt - zum heutigen Vorzeige-Objekt geriet, in das bislang rund 30 000 Euro gesteckt wurden. Noch bis 2004 nutzte der städtische Bauhof das 1616 erbaute Gotteshaus als Lagerstätte für Friedhofsmaterialien, als bei einem Ortstermin seine Sanierung angeregt wurde. 2005 wurde der Altar wieder hergestellt und erhielt dazu seine ursprüngliche Abdeckplatte zurück, die zuvor als Abfall entsorgt, aber in einem privaten Haushalt gelandet war. 2006 wurden die Türen und Fenster restauriert und ein historisches Kirchenfenster eingebaut.



Im Jahr 2007 folgten die Montage einer Holzdecke und die Sanierung des Innenputzes. Diese Arbeiten förderten eine markante Rahmenbemalung der Fensterlaibungen zutage, die originalgetreu wieder hergestellt wurde. Schüler der Michelstädter Fachschule für Holz- und Elfenbein stellten eine Kanzel her. 2009 ging ein großer Wunsch in Erfüllung: In das historische Dach wurden zwei Schlepp-Gauben mit einem Glockenstuhl eingebaut. Bestückt wurde er mit der ,,Schenk-Veltins-Graf-Franz-I."-Glocke des Erbacher Grafenhauses, die sich zuvor im historischen Rathaus der Kreisstadt befand und deren Geläut eigentlich dazu auserkoren war, den Wiesenmarkt zu eröffnen.



Die Glocke wurde im März 2009 in festlichem Rahmen an ihren neuen Standort gebracht - mit der Auflage, stets am Geburts- und Todestag von Graf Franz I. geläutet zu werden. ,,Diese Kapelle stiftet Besinnung und Ruhe", schilderte Pfarrer Thomas Hoerschelmann ihre Wirkung, ,,und bringt Menschen an einem Ort der ganz eigenen Art zusammen". Nicht nur zu Weihnachten oder an Karfreitag, sondern auch für die Andachten vor der Beisetzung von Urnen im Ruheforst sei die Kapelle sehr beliebt.



Der Vorsitzende des Historischen Vereins, Horst Anthoni, regte an, die Wetterseite der Kapelle gegen Feuchtigkeit zu schützen und das Fenster mit einem Laden zu sichern. Die Gästeführung der Kreisstadt plant, sachkundige Führungen zu veranstalten.


Quelle: Echo Online vom 23.04.2010


Wissenschaftliches Kolloquium und Exkursion
Vom   Mi.  24.02.2010
Wissenschaftliches Kolloquium und Exkursion



19. und 20. März 2010 in der Odenwaldhalle,
Erbacher Straße 33

in 64720 Michelstadt



In Zusammenarbeit mit dem Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, dem Odenwaldkreis und der Stadt Michelstadt veranstaltet die Interessengemeinschaft Odenwald e.V. (IGO) ein zweitägiges Kolloquium mit anschließender Exkursion am 19. und 20. März 2010 in der Odenwaldhalle in Michelstadt.



Anmeldeschluss für die Veranstaltung ist der 12.03.2010.


Archäologen stoßen auf Reste eines Römerturms
Vom   Mi.  27.01.2010
Archäologen und Geophysiker haben in der Gemarkung des Michelstädter Stadtteils Vielbrunn bisher unbekannte Reste eines römischen Wachturms und eines wohl dazu gehörigen Hohlwegs gefunden. Dies hat die Untere Denkmalbehörde beim Erbacher Landratsamt nun publik gemacht. Wie berichtet, koordiniert diese Fachstelle das laufende Projekt zur Neuerforschung, besseren Darstellung und touristischen Nutzung des Odenwaldlimes.




Die Entdeckung der Baurelikte resultiert dabei aus der mit diesem Vorhaben verbundenen Untersuchung von einzelnen Arealen, durch die der historische Grenzwall führte. Zwar ist der jetzige Fundort in der Limeskartierung als Römische Turmstelle WP 10=16 verzeichnet. Allerdings bezeichnet die Fachliteratur diesen Teil der Grenzbefestigungsanlage bisher als ,,gänzlich verschwunden".



Insofern lässt es sich nachvollziehen, wenn der Leiter der Unteren Denkmalbehörde und Projektbeauftragte Reimund Bechtold den Nachweis von Überbleibseln im Boden als ,,kleine archäologische Sensation" bezeichnet. Zutage gefördert haben sie Fachleute des Büros Posselt und Zickgraf (Mühltal), das im Auftrag der Programmbeteiligten - neben dem Kreis wirken das Land, einzelne Kommunen und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mit - in diesem Monat unweit von Vielbrunn eine geophysikalische Untersuchung anstellte. Diese so genannte Prospektion ist eine auf neuer Technik basierende Methode, den Boden zu sondieren, ohne Erde zu bewegen. Damit erlaubt sie es, an Bodendenkmalen wie dem Limes Forschungen zu betreiben, ohne dabei zerstörerisch zu wirken.



Gewonnen werden zuverlässige Messbilder, die in jüngerer Vergangenheit europaweit schon viele bisher nicht bekannte archäologische Funde sichtbar werden ließen . In Vielbrunn trafen sich zur entsprechenden Sondierung des Untergrunds Martin Posselt und seine Mitarbeiter Anna-Marie Nikolov sowie Sebastian Pfnorr mit Grabungsleiter Frank Klausmann und dem Limesbeauftragten der Stadt Michelstadt, Walter Weidmann (Würzberg). Nach dem Abstecken des zu untersuchenden Areals begannen die Fachleute mit der geophysikalischen Prospektion. Noch vor Ort erfolgte die Auswertung per Computer. Wie die Pressestelle der Kreisverwaltung berichtet, zeigte sich dabei auf dem Bildschirm klar der Umriss eines Römischen Holzturms. Auch der ehemalige Hohlweg, der in alten Forschungsberichten erwähnt wird, konnte auf diese Weise lokalisiert werden.



Limeskenner wie die beiden Odenwälder Projektbeteiligten Bechtold und Weidmann sehen in dem Fund einen weiteren Meilenstein in die Erforschung des Odenwaldlimes und damit auch im Bemühen um mehr Anerkennung und Popularität für dieses regionale Geschichtsgut. Neue Nahrung findet damit die Hoffnung, dass auch der Odenwaldlimes als westlicher der beiden römischen Grenzwälle in Deutschland noch Aufnahme in das Weltkulturerbe findet. Die begehrte entsprechende Unesco-Anerkennung gilt bisher nur dem östlichen Zeugnis der Antike.



Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang der genaue Fundort. Denn der liegt nahe der Kreuzung der beiden Landesstraßen Kimbach-Weilbach und Eulbach-Breitenbrunn sowie des Segelflugplatzes, in deren Einzugsgebiet ein neuer Anlaufpunkt für den gesamten Grenzwall entstehen soll: Genau dort wollen die Limesförderer als Attraktion für Besucher einen römischen Holzwachturm rekonstruieren, der dann zugleich als Informationsstelle und Kleinmuseum genutzt werden könnte.





Es befinden sich 20 Einträge auf 4 Seiten.

 Aktuelle Seite: 1  < 1 2 3 4 >